KI zwischen Hype und handfestem ROI: PwC Global CEO Survey

Jonas Haberkorn

Viele Unternehmen investieren gerade massiv in KI – aber die ernüchternde Botschaft aus PwC’s Global CEO Survey 2026: Bei den meisten ist der finanzielle Effekt (noch) nicht sichtbar.

Kosten vs. Umsatz

PwC fragt CEOs ganz konkret: „Welchen Einfluss hatte KI in den letzten 12 Monaten auf Kosten und Umsatz?“ Heraus kommt eine Matrix, die man so lesen kann:

  • 12% der CEOs sagen: Kosten runter und Umsatz rauf – das ist der Sweet Spot
  • Mehr als die Hälfte (56%) sagt: weder Kosten gesenkt noch Umsatz gesteigert
  • Insgesamt berichten 30% von Umsatzsteigerungen durch KI und 26% von Kostensenkungen – aber beides zusammen bleibt selten.

Das ist keine Anti-KI-Aussage. Eher ein Reality-Check: Wir sind (noch) in der frühen Phase, in der viele Use Cases piloten, aber wenige skalieren.

Warum der ROI so oft ausbleibt

Der Report zeigt, wie begrenzt KI vielerorts bereits breit eingesetzt wird. Nur eine Minderheit nutzt KI „in großem oder sehr großem Umfang“, zum Beispiel in:

  • Demand Generation (22%)
  • Support Services (20%)
  • Produkten/Services/Customer Experience (19%)
  • Strategischer Steuerung (15%)
  • Fulfillment (13%)

Das Muster dahinter: isolierte, taktische Projekte liefern oft keine messbare Wertschöpfung. Echte Effekte entstehen erst, wenn KI systematisch in Prozesse, Datenlandschaft und Operating Model eingebettet wird.

Was die „12% Vorreiter“ anders machen

Die Unternehmen, die gleichzeitig Umsatz steigern und Kosten senken, haben typischerweise:

  • stärkere KI-Fundamente (Technologie-Umgebung, Integrationsfähigkeit)
  • klaren Fokus und Roadmap statt Use-Case-Sammelsurium
  • Responsible-AI- und Risk-Prozesse, die Skalierung ermöglichen
  • Kultur und Adoption im Griff (KI wird genutzt, nicht nur angekündigt)

Ein konkreter Hinweis: Diese Vorreiter wenden KI deutlich häufiger auf Produkte/Services/Customer Experience an (44% vs. 17% im Vergleich zu anderen).

Der Kontext: weniger Zuversicht, mehr Druck

Der Report zeichnet auch ein Bild von Führung in Unsicherheit:

  • CEOs sind deutlich weniger zuversichtlich beim kurzfristigen Wachstum: Nur 30% sind „sehr/extrem“ zuversichtlich für die nächsten 12 Monate.
  • Gleichzeitig steigen Sorgen rund um makroökonomische Volatilität, Cyber-Risiken und Geopolitik.

Das ist wichtig, weil genau dieses Umfeld dazu führt, dass viele Unternehmen KI zwar starten, aber das skalierende Durchziehen (mit Budget, Prozessumbau, Governance) auf halber Strecke stecken bleibt.

KI ist nur ein Teil der Transformation

PwC verknüpft KI mit einem größeren Trend: Industriegrenzen verschwimmen.

  • 42% der CEOs sagen, ihr Unternehmen habe in den letzten fünf Jahren begonnen, in neuen Sektoren zu konkurrieren.
  • Wer mehr Umsatz aus neuen Sektoren erzielt, ist tendenziell profitabler und blickt zuversichtlicher nach vorn.

Auch Innovation bekommt einen kritischen Spiegel:

  • 50% sagen, Innovation sei zentral für die Strategie – aber nur 8% haben einen Großteil der abgefragten „Innovation Practices“ stark umgesetzt.

Der unterschätzte ROI-Killer: Vertrauen

Spannend (und oft übersehen): „Trust“ wird zur harten Business-Variable.

  • 66% der CEOs berichten von Trust Concerns bei Stakeholdern (z. B. Responsible AI, Privacy, Transparenz).
  • Bei börsennotierten Unternehmen liegt die Differenz in der Total Shareholder Return über 12 Monate bei rund 9 Prozentpunkten zwischen „wenigsten“ vs. „meisten“ Trust Concerns.