Wir verbringen den Großteil unseres Lebens in Innenräumen – zuhause, bei der Arbeit, in Schulen und Kitas. Doch wie viele von uns machen sich wirklich Gedanken darüber, was in unseren Wänden, Böden, Farben und Dämmstoffen steckt? Und vor allem: Was atmen wir jeden Tag ein?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des europäischen NonHazCity3-Projekts. Die Antworten sind teils beunruhigend – aber auch ermutigend.
Die unbequeme Wahrheit über Baustoffe
Die Untersuchungen zeigen ein klares Bild: Besorgniserregende Schadstoffe finden sich nicht nur in Bauprodukten selbst, sondern auch in der Innenraumluft, die wir täglich atmen, und letztlich auch in unserem Hausstaub. Ein Befund, der aufhorchen lässt.
Doch es gibt gute Nachrichten. Gesundes und nachhaltiges Bauen ist heute bereits möglich – vorausgesetzt, diese Ziele sind von Anfang an in den Bauprozess integriert.
Das Kernproblem: Fehlende Transparenz
Ein wesentliches Hindernis beim Umstieg zu schadstoffarmen Baustoffen ist simpel und doch folgenreich: Für viele Bauprodukte gibt es keine leicht zugänglichen Informationen über ihre chemische Zusammensetzung. Das macht es Bauherren, Architekten und Handwerkern schwer, bewusst schadstoffarme Alternativen zu wählen.
Besonders problematisch wird dies beim zirkulären Bauen – also der Wiederverwendung von Recycling-Materialien. Denn für eine sichere Wiederverwertung am Lebensende eines Baustoffs braucht es eines zwingend: Die genaue Kenntnis der Inhaltsstoffe. Ohne diese Information bleibt zirkuläres Bauen ein Risiko statt einer echten Lösung.
Konkrete Lösungen aus der Praxis
Das NonHazCity3-Projekt hat sich nicht nur dem Problem gewidmet, sondern auch an Lösungen gearbeitet. In acht Pilotprojekten wurden praxisnahe Strategien entwickelt und getestet – vom kleinen Renovierungsvorhaben bis zum großen kommunalen Bauprojekt.
Das Ziel war klar: Nachhaltiges und gesundes Bauen so gestalten, dass es im Alltag einfacher planbar und umsetzbar wird. Und genau das ist gelungen.
Wer profitiert von den Ergebnissen?
Für die Politik: Klare Vorgaben sind notwendig
Damit schadstoffarmes und zirkuläres Bauen zur Norm wird, braucht es verbindliche Anforderungen – auf EU-Ebene und in den Mitgliedstaaten. Zentral sind dabei digitale Transparenz über Materialinhalte und klare Standards für chemische Offenlegung. Das NonHazCity3-Projekt zeigt deutlich: Städte und Planende sehen hier einen dringenden Handlungsbedarf.
Für Kommunen: Der Hebel der öffentlichen Beschaffung
Städte und Gemeinden haben mehr Einfluss als oft gedacht. Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude, Sporthallen – diese Gebäude werden täglich von hunderten oder tausenden Menschen genutzt. Durch bewusste öffentliche Beschaffung können Kommunen Standards setzen und den Markt in Richtung gesunder Baustoffe lenken.
Für alle, die diesen Weg gehen möchten, hat NonHazCity3 einen praktischen Leitfaden entwickelt – mit erprobten Schritten, Kriterien und konkretem Prozesswissen aus den Pilotprojekten.
Für Privatpersonen: Orientierung beim Renovieren
Nicht nur große Bauprojekte zählen. Auch im eigenen Zuhause können wir bewusste Entscheidungen treffen. Eine erste Orientierung geben Umweltzeichen wie der Blaue Engel oder das EU Ecolabel.
Der NonHazCity3-DIY-Guide (Do it Yourself) zeigt konkret auf, worauf beim Renovieren zu achten ist und wie sich Baustoffe gezielt nach Gesundheits- und Nachhaltigkeitskriterien auswählen lassen. Der Guide ist auf Deutsch und Englisch kostenlos verfügbar.
Das Wichtigste zum Mitnehmen
Gesundes und nachhaltiges Bauen ist kein Luxus mehr, sondern ein erreichbares Ziel. Es braucht:
- Transparenz über Inhaltsstoffe von Bauprodukten
- Digitale Informationen, die leicht zugänglich sind
- Klare Standards auf politischer Ebene
- Bewusste Entscheidungen bei der Beschaffung – sowohl kommunal als auch privat
Das NonHazCity3-Projekt beweist: Mit den richtigen Werkzeugen und ein wenig Planung lässt sich unsere bebaute Umwelt gesünder, klimafreundlicher und ressourcenschonender gestalten.
Alle Ergebnisse des Projekts – von Politikempfehlungen bis zu praktischen Leitfäden – sind kostenlos auf der NonHazCity3-Website verfügbar: Zur Seite des Umweltbundesamt
